Sozialministerin Altpeter erhöht Druck auf Bundesregierung beim Thema Mindestlohn

Veröffentlicht am 19.02.2013 in Bundespolitik

Aufgrund der neuen Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat startet die Landesregierung einen neuen Anlauf für die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns. Gemeinsam mit Rheinland-Pfalz bringt Baden‑Württemberg am 1. März eine entsprechende Gesetzesinitiative im Bundesrat ein. Das teilte Sozialministerin Katrin Altpeter am Dienstag (19. Februar) nach der Sitzung des Kabinetts mit. „Die Zeit ist mehr als reif für einen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro“, sagte die Ministerin.

„Wir wollen, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können, wir wollen Altersarmut wirksam vorbeugen und wir wollen unseren Unternehmen faire Wettbewerbsverhältnisse garantieren. Deshalb führt kein Weg am Mindestlohn vorbei.“ Nachdem sich die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat nach der Landtagswahl in Niedersachsen zugunsten von Rot-Grün verschoben haben, ist Ministerin Altpeter zuversichtlich, dass die neue Initiative eine Mehrheit in der Länderkammer findet.

Bereits im Dezember 2011 hatte die Landesregierung gemeinsam mit Rheinland-Pfalz und Hamburg einen Entschließungsantrag für die Einführung eines Mindestlohnes in den Bundesrat eingebracht. Die Initiative scheiterte jedoch an den damaligen Mehrheitsverhältnissen im Bundesrat.

Die neue Gesetzesinitiative sieht die Einführung eines Mindestlohns in Höhe von mindestens 8,50 Euro vor. Auf die genaue Höhe des Mindestlohns soll sich einmal jährlich eine vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales eingerichtete Kommission einigen, die sich aus je drei Vertretern der Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie drei weiteren Sachverständigen aus der Wissenschaft zusammensetzt. Der Mindestlohn bedarf der Zustimmung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Für den Fall, dass das Bundesministerium nicht zustimmt, enthält die Gesetzesinitiative weitere Regelungen.

Nach einem Bericht der Prognos AG erhalten 14 Prozent der unter 20-Jährigen Stundenlöhne von bis zu 5 Euro, Auszubildende nicht eingeschlossen. Bei den Alleinerziehenden liegt der Anteil der Arbeitnehmer, die weniger als 7,50 Euro brutto pro Stunde verdienen, bei 18 Prozent. „Es kann nicht sein, dass jemand 40 Stunden die Woche arbeitet und von dem Lohn nicht einmal seine Familie ernähren kann“, so Altpeter. Mit dem Mindestlohn erhalte Arbeit wieder den Respekt und die Würde, die sie verdiene. Mit der Gesetzesinitiative setze die Landesregierung zudem die im Koalitionsvertrag vorgesehene Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Land um, so die Ministerin.

Mindestlöhne entlasteten zudem den Staatshaushalt, weil zu den Löhnen in der Regel keine ergänzenden Sozialleistungen nach dem Sozialgesetzbuch II bezahlt werden müssten. Außerdem werde durch einen gesetzlichen Mindestlohn auch die Beitragsbasis der Sozialversicherungen gestärkt.

Kritikern des Mindestlohns hielt Altpeter eine Studie des Bundesarbeitsministeriums von 2010 entgegen, wonach in keiner der acht Branchen, in denen bereits Mindestlöhne bezahlt werden, signifikante negative Wirkungen auf die Beschäftigung festgestellt wurden. Mit Blick auf die Tatsache, dass in 20 von 27 Staaten der Europäischen Union Mindestlöhne bestehen, handele es sich bei der Einführung des Mindestlohnes um eine vielfach erprobte und erfolgreiche Gesetzgebung.

Altpeter: „Mit dem Mindestlohn kämpfen wir gegen die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, verhindern den schleichenden Ausgrenzungsprozess von einzelnen Beschäftigungsgruppen und beugen Altersarmut gerade bei Frauen vor.“

 

Homepage SPD-Landesverband

News-Ticker

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

18.06.2026 11:18 Gabriela Heinrich zum Internationalen Tag gegen Hetze
Zum Internationalen Tag gegen Hetze: Hassrede bekämpfen, Zusammenhalt stärken Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Seit fünf Jahren rufen die Vereinten Nationen jeweils am 18. Juni den Internationalen Tag der Bekämpfung von Hetze aus. Sie machen so auf die wachsende Verbreitung von Hassrede aufmerksam und weisen auf Maßnahmen hin, Hassrede zu bekämpfen und den gegenseitigen Respekt zu… Gabriela Heinrich zum Internationalen Tag gegen Hetze weiterlesen

17.06.2026 12:19 Esra Limbacher zur EU-Entscheidung über Veggie-Burger
Politisch-ideologischer Nachhilfeunterricht ist nicht nötig Das vom EU-Parlament beschlossene Verbot für Fleischbezeichnungen wie ‚Veggie-Speck‘ oder ‚Veggie-Hühnchen‘ ist falsch und wird Verbraucherinnen und Verbraucher verwirren. Dass Begriffe wie ‚Veggie-Burger‘ oder ‚Veggie-Wurst‘ auch künftig zulässig bleiben, ist richtig. Die Entscheidung beendet hoffentlich eine Scheindebatte, die viel politische Energie verschwendet hat. „Das EU-Parlament hat bestätigt, dass Begriffe wie… Esra Limbacher zur EU-Entscheidung über Veggie-Burger weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de