Kultusministerium: Ergebnisse des Ländervergleichs 2011 bestätigen sehr gute Qualität der Grundschulen

Veröffentlicht am 05.10.2012 in Landespolitik

 

Kultusministerin Warminski-Leitheußer: "Unser Ziel ist, dass jedes Mädchen und jeder Junge den bestmöglichen Schulabschluss erreicht. Deshalb wollen wir den Grundschulbereich stärken, um Bildungsgerechtigkeit von Anfang an zu schaffen."
 
 
Viertklässler aus Baden-Württemberg liegen in Deutsch und Mathematik auf den vorderen Plätzen. Dies bestätigt erneut die kontinuierliche gute Arbeit der Grundschulen im Land, wie der heute veröffentlichte IQB-Ländervergleich 2011 zeigt. Insgesamt liegen sie bundesweit über dem Durchschnitt, nehmen allerdings noch keine Spitzenplätze ein. Außerdem bestätigt die Studie insgesamt erneut den engen Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft. 
 

 

edes zehnte Kind in Baden-Württemberg erreicht nach Abschluss der Grundschule nicht den geforderten Mindeststandard in Lesen und Mathematik (siehe unten). "Die Ergebnisse des IQB-Ländervergleichs zeigen dennoch die gute Qualität des Schulsystems in Baden-Württemberg. Unser Ziel ist, dass jedes Mädchen und jeder Junge den bestmöglichen Schulabschluss erreicht. Deshalb wollen wir den Grundschulbereich stärken, um Bildungsgerechtigkeit von Anfang an zu schaffen", erklärt Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer.
 
Das Kultusministerium betrachtet die Leistungen in der Grundschule als elementar. "Wenn wir einen guten Schulerfolg haben wollen, müssen wir in der Grundschule stärker ansetzen", betonte die Ministerin. Deshalb will sie hier einen weiteren Ausbau erreichen. Ein wichtiger Punkt ist auch, die Sprachförderung im Kindergarten auszubauen, um die Grundlagen für den Schulerfolg zu verbessern. Die grün-rote Landesregierung hat deshalb die Fördersumme um elf Millionen Euro erhöht und das neue Programm "Sprachförderung für Kinder an allen Tageseinrichtungen mit Zusatzbedarf" (SPATZ) eingeführt: Jedes Kind kann künftig unterstützt werden (bisher erst ab dem 3. Kindergartenjahr).  
 
Nach den Ergebnissen der IQB-Studie ist bei den Grundschülern im Land die Kompetenz, übers Zuhören Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, besonders gut entwickelt. In diesem Bereich belegen die Schülerinnen und Schüler aus dem Land Platz 2, noch besser schneiden hier lediglich die Viertklässler aus Bayern ab. Platz 5 belegen die kleinen Baden-Württemberger beim Lesen, beim Rechnen erreichen sie Platz 4. Mit der guten Platzierung in Mathematik liegen sie deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
 
Der Ländervergleich bestätigt die Ergebnisse eines Gutachtens von Prof. Dr. Jürgen Baumert, das die vorherige Landesregierung noch in Auftrag gegeben hatte. Demnach sind die insgesamt besseren Leistungen der bayerischen Schülerinnen und Schüler unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass sie mit 104 Stunden deutlich mehr Lernzeit zur Verfügung haben. Die Schüler in Baden-Württemberg müssen nach der bisherigen Stundentafel, die von der vorherigen Landesregierung übernommen wurde, mit 98 Stunden auskommen. Zum zweiten haben Grundschüler in Bayern ein Anrecht auf Förderstunden im Pflichtbereich, während solche zusätzlichen Angebote in Baden-Württemberg von der Ausstattung der Schulen mit Lehrern abhängig sind. Zum dritten gibt es für Lehrerinnen und Lehrer in Bayern konkrete Vorgaben zum Umfang der Fortbildungsveranstaltungen, die zu besuchen sind. Dafür, dass sich auch baden-württembergische Lehrerinnen und Lehrer in größerem Umfang als bisher fortbilden können, hat die grün-rote Landesregierung bereits vorgesorgt: Schon für 2012 stehen knapp 10 Millionen Euro für Fortbildungen zur Verfügung. Damit wurde die von der Vorgängerregierung beschlossene Kürzung auf rund 8,5 Millionen aus dem Jahr 2011 zurückgenommen.
 
Ergebnisse der Studie:
 
1.    Lesen
BW nimmt den besten Platz im Mittelfeld ein (5. Platz, 505 Punkte), unterscheidet sich aber signifikant von der Leistungsspitze in Deutschland (Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen).
 
2.    Zuhören
In diesem Bereich erzielt nur Bayern signifikant bessere Werte, BW nimmt den 2. Platz ein (509 Punkte).
 
3.    Mathematik
Baden-Württemberg nimmt hier den 4. Platz ein (512 Punkte) und ist signifikant besser als der Bundesdurchschnitt (500 Punkte).
 
4.    Kompetenzstufen
Der geforderte Mindeststandard wird in Baden-Württemberg nicht erreicht:
im Lesen von 10,3 Prozent, im Zuhören von 5,8 Prozent und in Mathematik  von 9,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler.
 
(Der Mindeststandard beschreibt ein Bildungsminimum, mit dem Schülerinnen und Schüler in die weiterführende Schule integriert werden können. Allerdings sind zusätzliche Förderungen notwendig.)
 
5.    Geschlechtsbezogene Unterschiede
In allen Ländern und im Bundesdurchschnitt gibt es Unterschiede in Mathematik zugunsten der Jungen, meist auch signifikant, außer in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. 
 
6.    Soziale Unterschiede
In allen Ländern Deutschlands besteht ein substanzieller und gleichgerichteter Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und den erreichten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Je niedriger der soziale Status, desto geringer die Kompetenzen.
In BW ist der Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Hintergrund und Kompetenzerwerb vor allem im Lesen gering, im Zuhören im Durchschnitt, in Mathematik dagegen ausgeprägt.
 
7.    Zuwanderungsbezogene Unterschiede
In Deutschland und in den Ländern besteht ein starker Zusammenhang zwischen dem Migrationshintergrund und dem Kompetenzerwerb in allen Bereichen. Die größten Disparitäten für Kinder mit zwei im Ausland geborenen Elternteilen finden sich unter anderem in Baden-Württemberg für den Bereich Mathematik.
 
 
Hintergrundinformationen
Mit dem IQB-Ländervergleich 2011 wurde erstmals das Erreichen der KMK-Bildungsstandards in der Jahrgangsstufe 4 in Grundschulen, Freien Waldorfschulen und Förderschulen überprüft. Er bezieht sich auf die Fächer Deutsch ("Lesen – mit Texten und Medien umgehen", "Zuhören, zum Teil auch "Orthografie") und Mathematik ("Zahlen und Operationen", "Raum und Form", "Muster und Strukturen", "Größen und Messen" sowie "Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit"). Außerdem liefert die Studie aufgrund von begleitenden Befragungen Erkenntnisse über Lehr- und Lernbedingungen an deutschen Grundschulen.
 
Die am Ländervergleich beteiligten Schulen wurden durch Zufallsziehung ausgewählt, um mit einer Klasse der Jahrgangsstufe 4 am Test teilzunehmen. Bundesweit wurden 1.349 Schulen getestet, davon 78 in Baden-Württemberg (darunter 5 Förderschulen) mit rund 1600 Schülerinnen und Schülern. Die gesamte Erhebung fand im Zeitraum Mai bis Juli 2011 an zwei Tagen statt und lag in den Händen von externen Testleitern.
 

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