Landesgleichstellungsatlas Baden-Württemberg zeigt regionale Unterschiede bei Gleichstellung der Geschlechter

Veröffentlicht am 24.06.2013 in Landespolitik

Ein unter Federführung des Sozialministeriums in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Landesamt erarbeiteter Landesgleichstellungsatlas bietet erstmals einen umfassenden Überblick bei der Verwirklichung der Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern in Baden-Württemberg. Das Ergebnis: Die faktische Gleichstellung ist in vielen Gesellschaftsbereichen noch nicht verwirklicht.

Anhand von 36 Indikatoren aus den Bereichen „Partizipation“, „Schulische Bildung“, „Arbeit und Sicherung des Lebensunterhalts“ und „Lebenswelt“ zeigen sich zudem deutliche Unterschiede in den 44 Stadt- und Landkreisen. In der regionalen Aufschlüsselung liegt für Sozialministerin Katrin Altpeter der große Nutzen des Landesgleichstellungsatlasses.

„Der Stand der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern muss sich mit Indikatoren, Zahlen und Zielen konkretisieren lassen. Diese Informationen ermöglichen es, unsere politischen Maßnahmen noch praxisorientierter und zielgenauer auszurichten, um eine wirkliche Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen“, sagte die Ministerin heute in Stuttgart.

Kaum Frauen in politischen Führungsgremien

Der Anteil von Frauen und Männern in politischen und wirtschaftlichen Führungs- und Entscheidungsfunktionen ist einer der wichtigsten Indikatoren für die Gleichstellung. Der Gleichstellungsatlas schlüsselt deshalb kreisgenau auf, wie die Mandate in Gemeinderäten und Kreistagen verteilt sind.

Das Ergebnis: Landesweit waren 2012 durchschnittlich 16 Prozent aller Mitglieder von Kreistagen Frauen. In keinem Kreis in Baden-Württemberg wurde ein Frauenanteil von 50 Prozent erreicht. In 15 überwiegend ländlichen geprägten Kreisen waren weniger als 15 Prozent der Kreistagsmitglieder Frauen. Am deutlichsten waren die Unterschiede im Kreis Freudenstadt mit lediglich 2,3 Prozent Frauenanteil und im Kreis Tübingen mit 27,1 Prozent. In den Gemeinderäten saßen 2012 durchschnittlich 22 Prozent Frauen. Auch hier gab es große regionale Unterschiede: Während in Karlsruhe 41,7 Prozent der Mitglieder des Gemeindesrats Frauen waren, waren es im Neckar-Odenwald-Kreis lediglich 15 Prozent.

Mädchen machen die besseren Schulabschlüsse

Bildung kommt im Zuge der weiter fortschreitenden Entwicklung zur Wissensgesellschaft eine immer größere Bedeutung zu - sowohl für jeden Einzelnen als auch für die Gesellschaft insgesamt. Informationen über geschlechterspezifische Unterschiede in der Schullaufbahn geben Hinweise z. B. auf eine geschlechterspezifische Schullandschaft.

Der Landesgleichstellungsatlas bestätigt einmal mehr, dass Mädchen die besseren Schulabschlüsse an den allgemeinbildenden Schulen erreichen. Sie stellen landesweit rund 55 Prozent der Abiturienten, Jungen lediglich knapp 45 Prozent. Auch hier schwanken die Zahlen: Während im Main-Tauber-Kreis lediglich etwas über 34 Prozent der Jungen das Abitur machten, waren es im Alb-Donau-Kreis knapp 49 Prozent. Auch beim Schulabbruch liegen die Jungen vorn: Bei den Schulabbrechern lag ihr Anteil landesweit bei 59,6 Prozent. Allerdings zeigten sich auch hier deutliche regionale Unterschiede: Im Main-Tauber-Kreis waren nur 47,3 Prozent der Schulabbrechern Jungen, im Stadtkreis Baden-Baden 79,2 Prozent.

Teilzeitarbeit ist Frauenarbeit

Sozialministerin Altpeter verfolgt eine Politik, die beiden Geschlechtern eine existenzsichernde Beschäftigung sowie bessere Möglichkeiten für eine ausgewogene Beteiligung beider am Familienleben ermöglichen will. Informationen zur Erwerbssituation liefern wichtige Hinweise darauf, in welchen Bereichen weiterer Handlungsbedarf besteht.

Der Gleichstellungsatlas führt an, dass 2011 58,8 Prozent der Männer in Baden-Württemberg sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Bei den Frauen waren es nur knapp 50 Prozent. Bemerkenswert auch hier die regionalen Unterschiede: Der Beschäftigungsanteil von Frauen schwankt zwischen 37,8 Prozent im Landkreis Sigmaringen und 54,7 Prozent in Stuttgart.

Teilzeitarbeit ist Frauenarbeit – dieser Befund trifft für das ganze Land zu. Laut Landesgleichstellungsatlas arbeiteten 2011 landesweit von 100 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen 36 in Teilzeit. Bei den Männern sind es lediglich 5 Prozent.

Ergänzende Informationen:

Der Landesgleichstellungsatlas kann auf der Homepage des Sozialministeriums und auf der Homepage des Statistischen Landesamtes heruntergeladen werden. Er ergänzt den 2. Gleichstellungsatlas des Bundes.

Bis auf wenige Ausnahmen beziehen sich die Angaben auf das Jahr 2011.

 

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