Parteireform: „Basta“ war gestern – die SPD hört zu, und nicht nur ihren Mitgliedern

Veröffentlicht am 11.09.2011 in Allgemein

Zu einer Fachkonferenz hatte die SPD Rhein-Neckar nach Sinsheim eingeladen. Die eher Langeweile versprechende Kategorie „Fachkonferenz“ schreckte nicht ab, sondern zog im Gegenteil viele Genossinnen und Genossen an. War doch das Thema die Parteireform, mit der die SPD den aktuellen Problemen wie der Politikverdrossenheit, dem demographischen Wandel der Bevölkerungsstruktur, den Veränderungen in der Arbeitswelt begegnen will. Und: die Einladung hatte klargemacht, dass hier nicht einsam gefasste Beschlüsse der Parteispitze verkündet, sondern Möglichkeiten für das Einbringen von Vorschlägen geboten werden sollten.

Um die Diskussion in Gang zu bringen, hatte der Kreisvorsitzende Thomas Funk eine prominente Rednerin gewonnen: Katja Mast, designierte Generalsekretärin der SPD Baden-Württemberg, kam direkt von der Sitzung des Bundestages zum Haushalt, wo sie gegen den „Kahlschlag im Bereich des Arbeits- und Sozialministeriums zu Lasten von Familien mit geringem Einkommen, Alleinerziehenden mit Kindern und Langzeitarbeitslosen“ gekämpft hatte, nach Sinsheim. In ihrem Impulsreferat stellte sie die Situation plastisch dar.

Das gesellschaftliche Umfeld unserer politischen Arbeit ändere sich. Es werde durch den demographischen Wandel ein weiteres Schrumpfen der Mitgliederzahlen geben. Die würden immer älter (und auch bunter). Die Bereitschaft zu langfristigen politischen Engagement nähme ab, punktuelle Beteiligung werde hingegen eher gewünscht. Die Arbeitswelt werde unsteter und prekärer. Diesen Veränderungen Rechnung zu tragen, sei Ziel der Parteireform.

Katja Mast sieht drei Faktoren als maßgeblich für eine erfolgreiche Parteiarbeit: Gute Inhalte, gutes Personal und gute Strukturen und Prozesse. Bei den Inhalten stehen soziale Gerechtigkeit und Demokratisierung an vorderster Stelle. Mit berechtigtem Stolz konnte Katja Mast darauf hinweisen, dass die SPD Baden-Württemberg bei der Demokratisierung eine Vorreiterrolle spielt- Wurde doch hier erstmalig der Landesvorsitzende Nils Schmid durch Urwahl von den Mitgliedern bestimmt.

Nach dieser Einleitung begann die eigentliche Arbeit der Tagung. In zwei Gruppen wurde an den Themenkreisen Mitwirkung von Mitgliedern und Nichtmitgliedern sowie Stärkung der Ortsvereine gearbeitet und Vorschläge für Verbesserungen gesammelt. Die Ergebnisse wurden im Plenum präsentiert.

Man war sich einig, dass die SPD eine Mitmachpartei sein will, keine Erklärpartei, die ihre Politik nur gut verkaufen müsse. Schlüssel zum Erfolg seit dabei Offenheit gegenüber Veränderungen – „geht nicht, gibt’s nicht“, so das Motto. Das Mitmachen soll nicht nur Mitgliedern leichter gemacht werden – Betonung des Mitglieder- gegenüber dem Delegiertenprinzip -, auch Nichtmitgliedern sollten Mitsprache- und Vorschlagsrechte eingeräumt werden. Die gibt es längst, auf vielen Listen zu Kommunalwahlen finden sich Nichtmitglieder. Katja Mast arbeitete, wie sie berichtete, auch vier Jahre bei den Jusos mit, ohne SPD-Mitglied zu sein. Einhellige Meinung dieser Arbeitsgruppe war aber, dass die Mitglieder bei Entscheidungen, insbesondere bei personellen, immer das letzte Wort haben müssten.

Ein gutes Miteinander setzt eine gegenseitige Wertschätzung voraus, sowohl bei Mitgliedern als auch gegenüber Sympathisanten. Dass die explizit eingefordert wurde, zeigt wohl gelegentlichen Bedarf an.

Die Gruppe, die sich mit der Arbeit der Ortsvereine befasste, hatte insbesondere Erleichterungen für kleine Vereine und organisatorische Unterstützung im Auge. Keine leichte Aufgabe, wenn man die finanziell bedingte Ausdünnung hauptamtlicher Strukturen bedenkt. Zusammenschlüsse von Ortsvereinen sind manchmal ein Ausweg. Verbesserungsfähig erschien auch in manchen Fällen die Zusammenarbeit von Vorständen und Fraktionen.

Die in den Arbeitgruppen entwickelten Vorschläge werden als Anträge an den Landesparteitag gehen. Die Teilnehmer der Fachkonferenz versprachen, die Ergebnisse in ihren Ortsvereinen zu diskutieren.

Dieter Lattermann

 

Homepage SPD Rhein-Neckar

News-Ticker

12.10.2026 17:43 Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas
Ich danke Bärbel Bas von Herzen für ihren Einsatz, ihre Haltung und ihr Engagement. Wir kämpfen weiter gemeinsam für die soziale Demokratie. „Bärbel Bas hat heute Morgen ihren Rücktritt von Partei- und Ministeramt erklärt. Ich habe großen Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie trifft sie aus persönlichen Gründen, die ich zutiefst respektiere. Als Ministerin und Vorsitzende… Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas weiterlesen

09.10.2026 17:40 Wichtiges Signal für den Wohnungsbau
Die Fortführung und Aufstockung des EH55 Programms bis zum Jahresende ist ein wichtiges Signal für die Bauwirtschaft. Nun sollten die neuen Fördermöglichkeiten konsequent genutzt werden, um den dringend benötigten Neubau anzukurbeln. „Die Aufstockung der Förderung für den Neubau im Effizienzhausstandard 55 Plus und die Fortführung des Programms bis zum Jahresende sind ein wichtiges Signal für… Wichtiges Signal für den Wohnungsbau weiterlesen

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

25.09.2026 19:03 Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing
Umsetzung von EU-Regeln gegen Greenwashing: Koalition schafft pragmatische Lösung für Altwarenbestände Am 27. September 2026 treten neue Regeln in Kraft, nach denen Umweltaussagen in der Werbung oder auf Produktverpackungen jetzt klar und nachvollziehbar belegt werden müssen. Um einen pragmatischen und verhältnismäßigen Umgang mit Altbeständen sicherzustellen, justieren wir nach. Carmen Wegge, rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin: „‘Einfach… Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing weiterlesen

14.09.2026 17:56 Zollkodex
Jeden Tag kommen Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU. Die enorme Menge erschwert wirksame Kontrollen erheblich. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt – 91 Prozent davon über chinesische E-Commerce-Plattformen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2023, als… Zollkodex weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de