Der Weg zum Grundgesetz

Veröffentlicht am 27.05.2024 in Allgemein

Der Weg zum Grundgesetz: Welchen Einfluss die SPD hatte

Das Grundgesetz steht im Rang über allen anderen deutschen Gesetzen und legt die wesentlichen staatlichen System- und Wertentscheidungen der Bundesrepublik fest. Es besteht aus der Eingangsformel, der Präambel, den Grundrechten und einem organisatorischen Teil. 1949 wurde das Grundgesetz zunächst als provisorische Regelung der staatlichen Grundordnung geschaffen und 1990 als Verfassung durch die beiden wieder vereinigten deutschen Staaten anerkannt.

Am 1. September 1948, drei Jahre nach dem Kriegsende und in Zeiten, in der eine US-amerikanische Luftbrücke West-Berlin versorgte, begann der Parlamentarische Rat in Bonn die Ausarbeitung eines Grundgesetzes. Im Vorfeld wurde auf der oberbayerischen Insel Herrenchiemsee durch ausgewählte Expert:innen, unter ihnen die SPD-Delegierten Hermann Brill und Carlo Schmid, vorläufige Entwürfe erarbeitet. Die CSU-dominierte bayerische Delegation reiste bei dem Treffen mit einem Entwurf an, der eine föderalistische Verfassung mit wenig Zentralgewalt enthielt. Währenddessen war sich die SPD einig darüber, dass die Verfassung einen provisorischen Charakter haben sollte, jedoch waren sich die hessische Delegation unter Hermann Brill und dem SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher uneinig in der Frage, wie vollumfänglich die provisorische Verfassung gehen sollte. Trotz der Meinungsverschiedenheiten wurde am Chiemsee konstruktiv an einem Entwurf gearbeitet, der Föderalismus und Zentralgewalt vereinte. In dem Prozess unter der Führung von Hermann Brill einigte man sich auf einem für die Wahrung der Verfassung zuständigen Obersten Gerichtshof der an der Spitze des neuen Verfassungssystems als Hüter der Verfassung fungieren sollte.  Dies unterschied sich klar von der Verfassungspolitik der Weimarer Republik, in der die verfassungsgerichtliche Kontrolle dem gesetzgebenden Parlament überlassen wurde. Durch diese Änderung sollte verhindert werden, dass Verfassungsfeinde das Grundgesetz ohne eine weitere Gewalt ändern können - ein wichtiger Baustein der Gewaltenteilung und einer wehrhaften Demokratie.

Mit den gemeinsamen Überlegungen aus Oberbayern wurde im aus 65 Abgeordneten bestehenden Parlamentarischen Rat von September 1948 bis Mai 1949 an dem Grundgesetz gearbeitet. Dabei leitete die SPD mit Kurt Schuhmacher den Hauptausschuss, während die CDU mit Konrad Adenauer den Vorsitz des Rates übernahm. Im Ausschuss wurden unter anderem die Grundrechte ausgearbeitet. Oft sind dabei Carlo Schmid und Elisabeth Selbert tongebend, letztere setzt Artikel 3, der unter anderen die Gleichberechtigung von Männern und Frauen garantiert, durch. Am 8. Mai 1949 waren alle Arbeiten beendet und der Parlamentarische Rat stimmte über das Grundgesetz ab. Es wurde mit über zwei Dritteln der Mehrheit beschlossen und trat nach Genehmigung der Alliierten am 23. Mai 1949 in Kraft. Die vorläufige Verfassung trägt eine sozialdemokratische Handschrift und bildet 75 Jahre später die Grundlage für eine freiheitliche stabile Demokratie, die allen Bundesbürger:innen gleiche Rechte zusichert.

 

 

Homepage SPD-Landesverband

News-Ticker

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

18.06.2026 11:18 Gabriela Heinrich zum Internationalen Tag gegen Hetze
Zum Internationalen Tag gegen Hetze: Hassrede bekämpfen, Zusammenhalt stärken Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Seit fünf Jahren rufen die Vereinten Nationen jeweils am 18. Juni den Internationalen Tag der Bekämpfung von Hetze aus. Sie machen so auf die wachsende Verbreitung von Hassrede aufmerksam und weisen auf Maßnahmen hin, Hassrede zu bekämpfen und den gegenseitigen Respekt zu… Gabriela Heinrich zum Internationalen Tag gegen Hetze weiterlesen

17.06.2026 12:19 Esra Limbacher zur EU-Entscheidung über Veggie-Burger
Politisch-ideologischer Nachhilfeunterricht ist nicht nötig Das vom EU-Parlament beschlossene Verbot für Fleischbezeichnungen wie ‚Veggie-Speck‘ oder ‚Veggie-Hühnchen‘ ist falsch und wird Verbraucherinnen und Verbraucher verwirren. Dass Begriffe wie ‚Veggie-Burger‘ oder ‚Veggie-Wurst‘ auch künftig zulässig bleiben, ist richtig. Die Entscheidung beendet hoffentlich eine Scheindebatte, die viel politische Energie verschwendet hat. „Das EU-Parlament hat bestätigt, dass Begriffe wie… Esra Limbacher zur EU-Entscheidung über Veggie-Burger weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de