Größen der Sozialdemokratie – Verfassungsväter und -mütter des Grundgesetzes

Veröffentlicht am 27.05.2024 in Allgemein

Das Grundgesetz der Bundesrepublik trägt eine sozialdemokratische Handschrift. 
In der Zeit seiner Entstehung 1948/49 arbeiteten unter dem SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher bedeutende Persönlichkeiten der Partei an der Entstehung unserer heutigen Verfassung. Personen wie Carlo Schmid, Elisabeth Selbert und Hermann Brill stachen dabei durch ihren besonderen Einfluss für eine freie und gerechte Verfassung heraus.

 

Der Sohn deutsch-französischer Eltern Carlo Schmid (1896-1979) arbeitete als Landesgerichtsrat in Württemberg, bis er Mitte 1940 als Kriegsverwaltungsrat in Lille eingesetzt wurde. Dort kooperierte er mit der Resistance und wurde nach Kriegsende von den Franzosen als Regierungschef Württemberg-Hohenzollerns eingesetzt. Er gehörte ab 1948 dem Parlamentarischen Rat an und schlug dort den Namen „Grundgesetz“ vor, der die provisorische Lage der Verfassung bis zur Wiedervereinigung symbolisieren sollte. 1949 besetzte er den Vorsitz des Auswärtigen Ausschusses und setzte sich dort unter anderem für ein Verbot der Pressezensur und eine freiheitliche demokratische Grundordnung ein.



Elisabeth Selbert (1896-1986), eine der vier Mütter des Grundgesetzes, wurde in eine kleinbürgerliche Familie ohne den Zugang zu höherer Bildung geboren. Sie lernte in jungen Jahren ihren sozialdemokratischen Mann Adam Selbert kennen, mit dem sie sich in der Kommunalpolitik engagierte. Dort erkannte sie bereits, dass sie die Rechte der Frau stärken wollte und entschied sich, ihr Abitur und ein Studium in Rechtswissenschaften abzuschließen. Trotz der Machtübernahme konnte sie ab 1934 als Anwältin arbeiten, während ihr Mann in Schutzhaft genommen wurde. Nach Ende des Krieges erreichte sie über die niedersächsische SPD einen Delegationsplatz im Parlamentarischen Rat. Dort setzte sie sich in den Beratungen tonangebend für die Verweigerung des Kriegsdienstes, die Abschaffung der Todesstrafe und die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Sie entwickelte den heutigen Artikel 3 des Grundgesetzes, in dem unter anderen die Gleichstellung der Geschlechter formuliert wird. Dieser scheiterte zunächst am Widerstand der übrigen Ratsmitglieder, erhielt jedoch durch ihre von der Bevölkerung gefeierte Kampagne durch Westdeutschland Zuspruch und wurde letztlich einstimmig in den Gesetzesentwurf aufgenommen. Selbert hat durch ihr Lebenswerk auf eindrucksvolle Weise dazu beigetragen, dass Frauen und Männer durch das Grundgesetz verankert gleichberechtigt sind.


 

Der SPD-Politiker, Widerstandskämpfer, Hochschullehrer und Publizist Hermann Brill (1895-1959) saß von 1920 bis 1933 im Thüringer Landtag. Anfang der 30er-Jahre war er der Präsident des Untersuchungsausschusses, der die Einbürgerung Hitlers untersuchte. Diese direkte Konfrontation ermutigte ihn zu seinen Widerstandsaktivitäten, wie zum Beispiel zusammen die Gründung der „Deutschen Volksfront“. Durch diese Aktivitäten wurde er 1938 wegen Hochverrats angeklagt und zu zwölf Jahren Haft verurteilt, von denen er zwei Jahre im Konzentrationslager Buchenwald verbrachte. Selbst im Konzentrationslager leistete er als Leiter des Volksfrontkomitees bis zu seiner Befreiung Widerstand und setzte sich gegen den Faschismus ein. Nach seiner Befreiung wirkte Brill bei der Gründung des Weststaates auf den Grundsatz hin, dass die Idee menschlicher Freiheit über allen anderen Staatszwecken stehen sollte und legte damit den Grundstein für Grundrechte. Er forderte weiter, dass es einen Obersten Gerichtshof geben sollte, der wehrhaft diese Rechte gegen Verfassungsfeinde schützen müsse. Seine Forderungen sind ein Grund, warum unumstößliche Grundrechte und das Bundesverfassungsgericht in ihrer heutigen Form existieren.


 

 

Homepage SPD-Landesverband

News-Ticker

20.06.2026 12:14 Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag
117 Millionen Menschen auf der Flucht Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, wird daran erinnert, dass Millionen Menschen gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen mussten. Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und individuelle Schicksale. „Aktuell sind weltweit über 117 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter viele Kinder, oftmals ohne die Begleitung… Gabriela Heinrich zum Weltflüchtlingstag weiterlesen

18.06.2026 12:25 „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“
Rechte Mehrheit im EU-Parlament stellt Vereinbarung für sauberes Wasser infrage Das Europäische Parlament hat heute eine Resolution zur Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) verabschiedet. Die in der vergangenen Legislatur beschlossene Vereinbarung zur Verbesserung der Wasserqualität sieht Vorschriften für eine durch Unternehmen gestützte Finanzierung der sogenannten 4. Reinigungsstufe vor. An dieser finanziellen Großaufgabe sollen vor allem Kosmetik-… „Fatales Signal an Kommunen und Verbraucher:innen“ weiterlesen

18.06.2026 12:16 Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz
Arbeitszeitgesetz: Flexibilisierung ist keine Einbahnstraße Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass die neue Arbeitszeitregelung keine Ausweitung der Arbeitszeit gegen den Willen der Beschäftigten sein darf, so Annika Klose. „Wir haben im Koalitionsvertrag explizit vereinbart, dass eine solche Reform auch und gerade im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgestaltet werden muss. Dass es also auch… Annika Klose zum Arbeitszeitgesetz weiterlesen

18.06.2026 11:18 Gabriela Heinrich zum Internationalen Tag gegen Hetze
Zum Internationalen Tag gegen Hetze: Hassrede bekämpfen, Zusammenhalt stärken Gabriela Heinrich, menschenrechtspolitische Sprecherin: Seit fünf Jahren rufen die Vereinten Nationen jeweils am 18. Juni den Internationalen Tag der Bekämpfung von Hetze aus. Sie machen so auf die wachsende Verbreitung von Hassrede aufmerksam und weisen auf Maßnahmen hin, Hassrede zu bekämpfen und den gegenseitigen Respekt zu… Gabriela Heinrich zum Internationalen Tag gegen Hetze weiterlesen

17.06.2026 12:19 Esra Limbacher zur EU-Entscheidung über Veggie-Burger
Politisch-ideologischer Nachhilfeunterricht ist nicht nötig Das vom EU-Parlament beschlossene Verbot für Fleischbezeichnungen wie ‚Veggie-Speck‘ oder ‚Veggie-Hühnchen‘ ist falsch und wird Verbraucherinnen und Verbraucher verwirren. Dass Begriffe wie ‚Veggie-Burger‘ oder ‚Veggie-Wurst‘ auch künftig zulässig bleiben, ist richtig. Die Entscheidung beendet hoffentlich eine Scheindebatte, die viel politische Energie verschwendet hat. „Das EU-Parlament hat bestätigt, dass Begriffe wie… Esra Limbacher zur EU-Entscheidung über Veggie-Burger weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de